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Mit Querdenken die Welt verändern

Ein Augenöffner: Bernd Hontschiks neues Buch „Erkranken schadet Ihrer Gesundheit“

Bernd Hontschiks Buch „Erkranken schadet Ihrer Gesundheit“, erschienen im Westendverlag, Frankfurt am Main 2019, hat kein geringeres Ziel als die Humanmedizin vor der Deformation des Maschinendenkens zu bewahren und das solidarische Gesundheitswesen vor dem Würgegriff des Kapitalismus zu retten. Dem bekannten Frankfurter Chirurg und Autor ist ein prägnantes auf den Punkt geschriebenes Werk gelungen, das nicht nur die Augen für die Realität unseres aktuellen Gesundheitssystems und die Zusammenhänge in der Welt öffnet, es ist mit seinen kurz gehaltenen Kapiteln und seinem angenehmen Schreibstil auch kurzweilig.

Dabei geht es um die Machenschaften der Pharmaindustrie, wie Pfizer, die illegal Medikamente in der dritten Welt getestet haben oder um überhöhte Preise für Pneumokokken-Impfstoffe, die durch Impfstoffgeschenke an „Ärzte ohne Grenzen“ kaschiert werden sollten. Die Organisation hatte das durchschaut und abgelehnt.

Ferner enttarnt Hontschik den Begriff der Kostenexplosion im Gesundheitswesen als ein Märchen, der verwendet werde, um Maßnahmen zu Lasten der Kranken durchzusetzen. Eine Kostenexplosion existiere nachweislich nicht, wie er vorrechnet. Er kritisiert das Anfang der 2000er Jahre eingeführte für Deutschland neue Abrechnungssystem der Diagnosis Related Groups (DRGs) als Ursache des enormen Drucks der Geschäftsleitungen auf Ärzte und Pfleger, der in der Folge zu einer Privatisierungswelle von Krankenhäusern geführt habe. Es gehe nicht mehr um die Medizin als Heilkunst, sondern um den Profit: Die Verwandlung des Gesundheitswesens in eine Gesundheitswirtschaft.

Schockierend der Bericht, dass es in Deutschland seit einigen Jahren keine Produktion von Antibiotika mehr gebe, dass diese vor allem in Indien und China unter schlimmen Arbeits- und Hygienebedingungen hergestellt würden. Da nur der letzte Produktionsschritt deklarationspflicht sei, werde das kaschiert und sei weitgehend unbekannt.

Der Bericht über die Unterwanderung der World Health Organisation (WHO) durch die Pharmaindustrie erfüllt mit Sorge, wenn klar wird, dass diese nicht mehr in der Mehrheit von den Staaten, sondern von der Bill-and-Melinda-Gates-Stifung finanziert wird. Diese bezieht ihr Geld aus Anlagevermögen von Coca-Cola, PepsiCo, Unilever, Kraft-Heinz und von anderen Alkohol-und Pharmakonzernen. Damit kann die WHO ihrem ursprünglichen Auftrag , einen Beitrag zur Weltgesundheit zu leisten, nicht mehr nachkommen, da sie sonst gegen diese Hersteller von Junkfood vorgehen müsste. Die WHO hat ihre Unabhängigkeit verloren.

Weitere Kapitel über die Aufhebung des Fernbehandlungsverbots, die sogenannte „elektronische Gesundheitskarte“, die alles andere als Gesundheit bringt und mindestens 2 Milliarden Euro und die Datensicherheit gekostet hat, über unnütze „Vorsorge“, die keine ist und die verkürzte Lebenserwartung durch Armut, auch in unseren Breitengraden, die Machenschaften der Familie Sackler, Lobbyisten und zweifelhafte Gesundheitspolitik runden das Buch ab.

Mein Prädikat: Absolut lesenswert! Jeder sollte das Buch gelesen habe, ob Patient oder im Gesundheitssystem Tätiger oder einfach nur interessierter Bürger. Dieses Wissen gehört zur Allgemeinbildung für jeden, der fundiert mitreden möchte.

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Wo Jens Spahn irrt

Meine Frau hat mir das Buch „App vom Arzt“ von Jens Spahn und Kollegen geschenkt, damit ich sehen kann, was er schon vor 2016 zu dem Thema Digitalisierung dachte. Endlich bin ich dazu gekommen, das Buch zu lesen, das 2016 heraus kam.

Spahn vermischt hier einige Wahrheiten mit Halbwahrheiten, wenn er Fax und Mail als unsichere Kommunikation zwischen Ärzten beschreibt, aber das bereits vorhandene KV-Safenet und KV-Connect, das wir in Hessen haben, nicht erwähnt. Dieses ist von kommerziellen Anbietern unabhängig. Und natürlich sind diese sicheren Datentunnel noch nicht flächendeckend vorhanden. Dies könnte man aber mit Anreizen, wie einer Honorierung elektronischer Briefe, aber nicht von Fax und Mail, steuern. Hier hätte es der milliardenschweren Telematikinfrastruktur über CompuGroup und Bertelsmann und Telekom nicht bedurft, die uns viel Ärger macht und die Daten angreifbar.

Wenn Spahn schreibt, Datenschutz sei nur etwas für Gesunde, dann irrt er komplett. Er singt das Hohelied des laxen Umgangs mit Daten in den USA und kritisiert den strengen Datenschutz in Deutschland. Nein, die Datenhoheit muss weiterhin in Hand der Patienten liegen. Was wir brauchen, ist eine Patientenakte, bei der die Patienten die Zugriffsrechte festlegen. Und zwar von Anfang an. Kein Betriebsarzt zum Beispiel darf, wenn der Patient das nicht möchte, die komplette Krankengeschichte einsehen. Das kann im schlimmsten Fall berufliche und damit finanzielle und existenzielle Folgen für den Patienten haben. Anders ein Notfalldatensatz, auf den im Notfall auch Notarzt und Rettungssanitäter zugreifen können sollten. Natürlich kann es sinnvoll sein, wenn die Patienten medizinische Apps ZUSÄTZLICH verwenden, um eine erste Einschätzung zu bekommen. Oder um Blutzuckermesswerte mit einer Praxis ihrer Wahl elektronisch auszutauschen. Das ist alle Mal besser als Doktor Google, den die meisten Patienten heute dann und wann konsultieren.

Was hier auch vergessen wird ist der menschliche Faktor. Es geht nicht nur um Messwerte und Daten, es geht um den persönlichen Kontakt mit einem Arzt des Vertrauens. Ein Hausarzt beispielsweise weiß, wie seine Patienten ticken, er kennt nicht nur die Krankheitsgeschichte, er kennt auch ihre Sorgen und Nöte, im  besten Fall auch weitere Familienmitglieder, vielleicht auch die Eltern, vielleicht auch die Großeltern. Und ein Arzt kann mit allen seinen Sinnen wahrnehmen, auf welcher Ebene es gerade klemmt. Das ist nicht immer nur der Blutzucker oder der Blutdruck. Dabei handelt es sich auch um Ebenen, die über Apps nicht abrufbar sind, bei denen Apps eher in die Irre führen.

So ist es auch, wenn Wiederholungsrezepte ohne Arztkontakt gleich elektronisch auf das Handy des Patienten geschickt werden. Normalerweise gibt es ein Gespräch über die Lebenssituation, was gerade los ist. Der Arzt fragt die Nebenwirkungen ab, macht nicht auf notwendige Laboruntersuchungen, EKGs aufmerksam. Es werden vom Arzt weitere Themen angesprochen. Nicht so bei einem automatischen Rezept auf das Handy ohne Arztkontakt.  Nichts gegen elektronische Rezepte auf das Handy, wenn der Datenschutz  gewährt ist, wenn die Arbeitszeit für Arzt und medizinische Fachangestellte nicht unnötig erhöht wird, kann das durchaus mit Arztkontakt sinnvoll sein.

Elektronik kann nur Unterstützung sein, Apps nur Hilfsmittel. Es braucht weiterhin Ärzte, die Zeit für ihre Patienten haben, sich ihre Sorgen und Symptome anzuhören und dann mit allen ihren Sinnen wahrzunehmen, was das Problem ist. Die Lösungen werden in gemeinsamer Entscheidungsfindung mit den Patienten erarbeitet. Der Arzt als Experte schlägt verschiedene Möglichkeiten vor. So, wie bei einem Sektempfang verschiedene Getränke angeboten werden, von denen man etwas nehmen kann oder eben nicht. Partizipative Entscheidungsfindung und Adhärenz wird das in der Fachsprache genannt.

Was wirklich fehlt im deutschen Gesundheitssystem ist eine Steuerung durch Hausärzte. Das würde mehr Termine bei Spezialisten bewirken, die wirklich nötig sind. Wir Hausärzte als erste Ebene sollen im Gesundheitssystem aus dem unselektierten Patientengut heraussortieren, wer akut behandelt werden muss, wer zum Spezialisten überwiesen, ins Krankenhaus eingewiesen werden muss oder wo wir im Sinne eines abwartenden Offenhaltens eine Kontrolle vereinbaren. Das ist international so und in Deutschland ein wenig durcheinander geraten. DAS ist das Problem, das es für einen Gesundheitsminister zu lösen gilt. Und nicht eine überstürzte und von oben oktroyierte Digitalisierung mit der Brechtstange, um die Digitalisierungindustrie und besonders Startups, wie Spahn in der FAZ zitiert wurde, zu fördern.

Betriebsarzt will kurz mal elektronische Patientenakte sehen

Beitrag aus Facebook : Zukunftsvisionen der elektronischen Patientenakte. So kann es kommen. Ab 2021.

„Einstellungsgespräch: Bitte Gesundheitskarte nicht vergessen, unser Betriebsarzt möchte „nur kurz“ in Ihre elektronische Patientenakte sehen.

Dieses Szenario kann auch wieder belächelt werden und als neuerliche „Verschwörungstheorie“ abgetan werden. Aber die Eingangsuntersuchung beim Betriebsarzt oder gar die Untersuchung beim Amtsarzt sind in vielen Unternehmen, Behörden, öffentlichen Einrichtungen oder Anstalten des öffentlichen Rechts nicht nur üblich sondern häufig Pflicht. Gibt es eine elektronische Patientenakte nach Willen von Herrn Spahn, kann der Betriebs- oder Amtsarzt leicht auf alle medizinischen Daten des Anwärters zugreifen.

Dann liegt alles offen. Nicht nur die Stärke der Brille, sondern ggf. die Veränderung der Dioptrienzahl. Oder 2 Psychotherapien in den letzten 20 Jahren.

Ist der Anwärter noch „jungfräulich“, also mit Ausnahme von Erkältungen und ein paar Darmgrippen kerngesund, ist er noch nicht aus dem Schneider.

Denn per Arbeitsvertrag könnten „regelmäßige betriebsärztliche Überprüfungen bzw. Untersuchungen“ vorgeschrieben werden. Wenn Spahn mit seinen Vorhaben durchkommt, wird hier für nicht einmal mehr die Zustimmung, bzw. das Einlesen der Versichertenkarte notwendig sein, denn Ärzte dürfen dann auch ohne Anwesenheit des Patienten in seinen Daten lesen. Und der „Patient“ bzw. hier der Arbeitnehmer braucht davon auch nichts zu erfahren. Auch nicht, wenn er plötzlich versetzt, nicht mehr befördert wird oder gekündigt wird.“

Der Youtuber Rezo: die Zerstörung der CDU

Klasse, ein junger Youtuber legt sich mit der CDU an. Und das auf so eine so lockere und professionelle Art in Jugendsprache, dass die CDU nichts Relevantes dagegen setzen kann. Schaut euch das mal an:

https://youtu.be/4Y1lZQsyuSQ

Wer da am Sonntag bei der Europawahl noch CDU/EVP wählt, der hat nichts verstanden.

Brief an Ihren Bundestagsabgeordneten:

Verschiedene Maßnahmen des Bundesministers für Gesundheit, Jens Spahn, laufen auf eine Schwächung der Hausarztmedizin hinaus. Letztlich kann das dazu führen, dass freiberuflich arbeitende Ärzte ihre Praxen dann nicht mehr in der aktuellen Form betreiben können. Es droht eine Übermacht von kommerziellen Medizinischen Versorgungszentren (MVZs), in denen Ärzte von Geschäftsführern abhängig sind und das oberste Ziel die Gewinnmaximierung auf Kosten der Patienten ist. Dort haben Patienten dann auch keine festen Ansprechpartner mehr, die Ärzte sind angestellt und arbeiten im Schichtsystem, bei einer gewöhnlicherweise hohen Fluktuation.

Desweiteren wird den Ärzten und Psychologen ab dem 1.7.2019 die Telematikinfrastruktur (TI) von der Politik unter Strafe aufgezwungen. Dabei handelt es sich um eine Datenleitung zu den Krankenkassen, die an unsere Praxissysteme angeschlossen werden muss. Wir tun alles, um Ihre Daten auch weiterhin zu schützen und werden von unseren IT-Betreuern hier gut beraten. Dennoch sind zentral gespeicherte Daten bisher niemals 100% sicher gewesen und werden es auch nicht sein. Selbst der Bundestag wurde ja schon gehackt. Mitarbeiter aller 113 Krankenkassen sowie Techniker haben dann Zugriff auf Ihre Daten. Man schätzt, dass es mindestens 360000 Personen sein werden. Eine Alternative mit einer Speicherung aller Ihrer Daten auf Ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist technisch möglich, aber von der Politik nicht gewollt.

Wir möchten Sie daher bitten, das folgende Anschreiben an den oder die Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises zu schicken. Die Bundestagsabgeordneten bekommen Sie leicht über folgenden Link heraus:

www.bundestag.de/abgeordnete

Dort geben Sie Ihre Postleitzahl ein und können auf Ihre Bundestagsabgeordneten klicken und den Text per Post oder per Mail an sie schicken.

Hier eine Briefvorlage:

Sehr geehrte(r) …

als Patient und Wähler sehe ich in der Politik des Bundesministers für Gesundheit, Jens Spahn, zunehmend eine Gefahr für die Hausarztmedizin und für die Sicherheit meiner Daten. Eine weitere Kommerzialisierung der Medizin, bedroht die Unabhängigkeit von ärztlichen Entscheidungen und stört das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

Hausärzte sind für viele gesundheitliche Anliegen der erste Ansprechpartner. Sie kennen Patienten oft seit Jahren mit ihren Krankheiten, ihrer Lebensgeschichte, ihren Sorgen. Sie kennen häufig auch die Familie und das Umfeld.

Die Politik von Herrn Spahn führt zu einer Schwächung der Hausärzte und Verschlechterung der Betreuungsqualität, wenn z.B. Leistungen, wie (Grippe-) Impfungen in Apotheken ausgelagert werden sollen.

Auch die Verschreibung von Dauermedikamenten über ein ¾-Jahr ohne ärztliche Kontrolle ist bedenklich, da dann ggf. keine Dosisanpassung vorgenommen werden kann, keine Abfrage von Nebenwirkungen stattfindet oder Laborwertkontrollen oder EKGs unterbleiben.

Eine Schwächung der Hausarztmedizin führt zu der Gefahr, dass die Existenz von Hausarztpraxen mittelfristig gefährdet wird und der Verkauf an kommerzielle Anbieter von Medizinischen Versorgungszentren droht, die dann die Gewinnmaximierung und nicht die optimale Versorgung der Patienten als Ziel haben. Dort sind die Ärzte von wirtschaftlich denkenden und handelnden Geschäftsführern abhängig.

Als Patient möchte ich weiterhin eine Praxis mit festen Ansprechpartnern, die mich über lange Zeit betreuen, Ärzte, die mich kennen, mir zuhören und denen ich vertrauen kann, dass ihre Entscheidungsfindung unabhängig ist von Pharmaunternehmen oder von Gewinnmaximierung. Dies wäre zum Beispiel bei kommerziellen MVZs oder börsennotierten Unternehmen nicht der Fall.

Desweiteren macht mir die von der Politik gewollte Telematikinfrastruktur Sorgen, bei der viele Sicherheitsfragen nicht geklärt sind, wie die jüngsten Skandale zeigen. Hackerangriffe, wie ja auch auf den Bundestag, zeigen, dass die Daten niemals über lange Zeit sicher sind. Die Gesundheitsdaten können in den Händen der falschen Personen immensen Schaden für mich anrichten. Zudem ist die ärztliche Schweigepflicht und damit das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in Gefahr.

Ich möchte Sie bitten, sich für eine Stärkung der Hausarztmedizin mit freiberuflichen Ärzten einzusetzen und die oben genannten Maßnahmen von Herrn Spahn zu verhindern, um weiter eine hochqualitative und vom Kommerz unabhängige Gesundheitsversorgung in Deutschland zu garantieren.

Mit freundlichen Grüßen

Kommerzialisierung der Medizin

Nochmal ein paar Worte zu Spahns Ideen und Vorhaben:

Ein Kollege sagte das kürzlich recht treffend: „Herr Spahn schießt die Praxen reif für die Investoren.“

Glaubt Ihr wirklich, dass solche Forderungen, wie Ihr sie unten geschrieben habt, etwas an seinem Vorgehen ändern oder uns mehr Geld bringen oder auch nur verloren gegangenes Geld zurückholen? Wenn Apotheken impfen, es wird sicher dann nicht bei Grippeimpfungen bleiben, wenn chronisch Kranke ihre Medikamente direkt über die Apotheken beziehen, wenn vielleicht dann AUs erst nach 14 Tagen ausgestellt werden müssen, dann stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung von Allgemeinmedizinern und die Finanzierungsfrage.

Inhaltlich können wir sicher über vieles diskutieren. Meiner Meinung nach bewegen wir uns aber aktuell auf sehr dünnem Eis. Herr Spahn ist anscheinend kein Freund der Hausärzte. Er schürt durch das TSGVO vermutlich Grabenkämpfe zwischen Spezialisten und Hausärzten im Sinne des Divide et Impera, so dass wir durch seinen Aktionismus vom Wesentlichen abgelenkt werden und uns mit uns selbst beschäftigen.

Erst vor wenigen Tagen forderte Spahn, dass Gesundheitsdaten für die Forschung freigegeben werden sollten. Und parallel wird uns die angeblich so sichere Telematikinfrastruktur aufgezwungen. Zufall? Die Gesundheitsdaten sind ein Milliardengeschäft. Herr Spahn sichert sich vermutlich einen gut dotierten Job für seine Zeit nach dem Ausstieg aus seinem Amt, wenn er nicht doch noch Kanzler wird, oder für danach.

Ich denke: Das Ziel ist es, die frei denkenden niedergelassenen Ärzte abzuschaffen und in MVZs von Geschäftsführern und Unternehmen abhängig zu machen. Das gefällt der Industrie, die schon in Bereitschaft ist. Ärzte müssen dann IGel andrehen und Zahlen vorweisen im Sinne der Gewinnmaximierung , sonst gibt es eine Abmahnung oder Entlassung. Ich kenne solche Fälle bereits. Auch Pharmavertreter nicht zu empfangen wäre vermutlich verboten. Und vieles mehr. Auch HZV steht ja beim Bundesversicherungsamt auf dem Prüfstand, die Anfrage von Lindner (FDP) über HZV ist auch nicht hausärztefreundlich. Es wird eng.

Die Gelder durch Impfungen, Chronikerziffern und geringere Einnahmen durch GESUs werden ggf. zum Problem für viele Kollegen.

Das ist meine Sicht auf die Dinge und soll als Wake up call verstanden werden.

Die Terminservicestellen oder Steuerung durch den Hausarzt?

Die sogenannten Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen müssen seit diesem Mai 7 Tage in der Woche 24 h erreichbar sein, damit Patienten Termine vereinbaren können. Grund sind teilweise lange Wartezeiten, vor allem bei Spezialisten. Neuerdings müssen auch Hausärzte Termine nennen, die über diese Servicestelle vermittelt werden, da es auch im hausärztlichen Bereich zu Engpässen kommt.

Warum dauert es so lange, einen Termin bei einem Spezialisten zu bekommen? Warum nehmen auch manche Hausarztpraxen keine weiteren Patienten auf? Warum braucht es angeblich eine solche Terminservicestelle, um dem Abhilfe zu schaffen?

Die Gründe sind systemischer Natur und haben unter anderem mit der von der Politik so hochgehaltenen „freien Arztwahl“ zu tun. Freie Arztwahl bedeutet dabei nicht nur, dass ich mir als Patient den Hausarzt oder Kardiologen oder Neurologen meines Vertrauens suchen kann, was absolut okay ist. Nein, es heißt, ich kann mir auch die Fachrichtung aussuchen. Bei Schwindel könnten das Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen, Orthopäden, Kardiologen, Allgemeinmediziner, Psychologen sein und auf Überweisung einer der Ärzte dann noch die Radiologen. Es wird hier nicht sinnvoll gesteuert, der Patient entscheidet nach Gusto oder mit Halbwissen selbst. Hier braucht es eine Steuerung, die in den meisten Ländern der Welt die Hausärzte übernehmen.

Da sich jeder Patient selbst aussuchen kann, ob er einen Spezialisten aussucht und welchen er auswählt, werden wichtige Termine mit Lappalien verstopft. Jede Pickel auf der Nase kann vom Hautarzt abgeklärt werden, jedes Ziehen im Finger seit einigen Tagen vom Rheumatologen, jede Verspannung vom Orthopäden usw.

Es herrscht Hausärztemangel, der Nachwuchs kommt nicht in ausreichender Menge nach. Das liegt zum einen auch an der Reduktion der Medizinstudienplätze seit den 1990iger Jahren, die die Politik zu verantworten hat. Damals gab es eine Ärzteschwemme. Das liegt aber auch daran, dass die Hausarztmedizin durch viele bürokratische Tücken, wie Ärzteregresse, unattraktiv gemacht wird. Regresse sind der am meisten genannte Grund von jungen Ärzten, sich nicht in eigener Praxis niederzulassen. Obwohl es bereits einige Verbesserungen gab, wirkt das Drohpotential von existenzbedrohlichen Rückforderungen der Krankenkassen immer noch stark. Die Politik unter Spahn und Lauterbach tut aktuell ihr übriges, um das Führen einer Praxis schwer zu machen, wenn hier u.a. unter Strafandrohung die sogenannte Telematikinfrastruktur zwangseingeführt wird. Eine Förderung deckt hier nur einen Teil und keine Folgekosten, die in die Tausende gehen. Datenschutz nicht abschließend geklärt. Schweigepflicht damit bedroht. „Datenschutz ist nur etwas für Gesunde“, sagte Spahn jüngst. Dies schreckt ab.

Was ist zu tun? Die Politik sollte die Hausarztmediziner attraktiver machen und eine hausärztliche Steuerung per Gesetz einführen. Dann würden sich mehr Ärzte niederlassen und weniger in andere Bereich oder andere Länder ausweichen oder sich anstellen lassen. Regresse sollten abgeschafft und anderen Kontrollmechanismen, wie eine Medikamentenpositivliste mit verschreibungsfähigen Medikamenten etabliert werden. Die Zahl an Medizinstudienplätze sollte erhöht werden.

Die Terminservicestellen vermitteln Patienten einen Termin in einer Stunde Pendelabstand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln um ihren Wohnort bei einem Arzt, der für sie gesucht wird zu einer Zeit, die für sie festgelegt wird. Das ist aber in den meisten Fällen gar nicht das, was die Patienten wollen. Die meisten Patienten möchten einen schnellen Wunschtermin bei einem Arzt ihres Vertrauens um die Ecke. Hierfür müssen wir das System ändern und die Hausarztmedizin stärken. Wir Hausärzte können ohnehin über unsere guten Kontakte in dringenden Fällen Spezialistentermine vereinbaren und auch entscheiden, wo diese nicht nötig sind. Das würde allen helfen.

Leserbrief zu dem Artikel von Andreas Mihm: „Der Arzt verschreibt künftig Handy-Apps“ FAZ, vom 16.5.2019, S. 15, Wirtschaft

Wie Andreas Mihm in seinem Artikel „der Arzt verschreibt künftig Handy-Apps“ in der FAZ vom 16.5.2019 auf Seite 15 richtig schreibt, reagiert Jens Spahn mit seinem Eintreten für Gesundheits-Apps auf Kassenrezept auf Klagen vieler Start-ups, die ihre Produkte auf dem deutschen Markt besser vermarkten wollen. Kein kritisches Wort zur Sinnhaftigkeit, kein Satz über die Gefahren, die eine Digitalisierung von oben herab bringt, kein Hören der anderen Seite, wie die von Ärzte oder Patienten. Früher galt mal, auch für die FAZ, das journalistische Motto „audiatur et altera pars“, immer auch die andere Seite hören und zu Wort kommen lassen. Spahn hat schon letztes Jahr geäußert, er besitze Apps, die besser wären als ein Arzt und hat damit den Weg für die jetzige Initiative für die Industrie gebahnt. Doch das ist populistische Augenwischerei. Der Patient benötigt den Arzt als Menschen, der zuhört, ihn versteht und mit all seiner Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite steht. Apps können maximal eine Unterstützung sein, wenn sie richtig angewendet werden.

Genauso unkritisch wird die aufgezwungene Telematikinfrastruktur von Mihm als „sicheres Netz“ beschrieben, ohne die Skandale und Gegenmeinungen der jüngeren Zeit zu berücksichtigen. Wir Ärzte sind für eine Digitalisierung mit Mehrwert unter Einbeziehung unserer Erfahrung und Bedenken. Die Digitalisierung muss jedoch mit Bedacht geschehen, da es hier um die Einhaltung der Schweigepflicht und um den Datenschutz geht. Es wundert nicht, dass bei einem Umsatz von 1 Milliarde Euro pro Tag im Gesundheitssystem Begehrlichkeiten entstehen. Eine wichtige Währung sind die Patientendaten, die daher auch vor Übergriffen der Industrie und der Politik geschützt werden müssen. Aktiennotierte Unternehmen, wie die CompuGroup, verdienen sich an der veralteten und nun von oben über die Politik aufgezwungenen Technik eine golden Nase. Ärzte und Psychologen, die sich verweigern, müssen Strafe zahlen. Spahn betreibt Klientelpolitik. Die sogenannten Leitmedien reden ihm das Wort. Vielleicht müssen erst einmal vertrauliche Gesundheitsdaten von Spitzenpolitikern und Journalisten im Netz auftauchen oder im dark net verkauft werden, damit hier ein Umdenken stattfindet. Auch der Bundestag wurde bereits gehackt, warum sollten zentral gespeicherte Daten auf die Dauer sicher sein?

Dr. med. Christian Haffner, Frankfurt am Main

Schlechtere Versorgung durch Ärzteregresse

Das Sozialgesetzbuch V schreibt die sogenannten Wirtschaftlichkeitsprüfungen von Ärzten vor. Dabei werden eine Vielzahl an Vorschriften  geprüft, meist erst mehrere Jahre später. Es  werden zum Beispiel 2% der Ärzte zufällig ausgesucht und ihre Verordnungen in einem bestimmten Bereich kontrolliert. Dies ist jetzt einem hessischen Kollegen so gegangen, dem seine Krankengymnastikverordnungen von 2014 um die Ohren gehauen wurden. Zu Unrecht, wie er findet und das auch begründen kann. Die Prüfer hätten Krankengymnastikrezepte moniert, die er bei klassischen Erkrankungen wie Parkinson oder Bandscheibenvorfällen oder anderen schwerkranken Patienten verschrieben habe. Nun soll er 5500 Euro zurückzahlen.

Dies ist nur ein Fall von vielen. Die Krankenkassen suchen in den Verordnungen der Ärzte mit ihren Juristen nach Möglichkeiten, Geld von den Ärzten zurückzufordern und damit zu Lasten von Ärzten und Patienten Gewinn zu machen. „Es gibt noch ein enormes Einsparpotential“, sagte neulich erst ein Entscheidungsträger der gesetzlichen Krankenkassen. Dabei haben die Krankenkassen gerade einen Überschuss von 2,5 Milliarden erwirtschaftet. Sie wollen aber noch mehr.  Dabei wird auch infrage gestellt, ob der Patient überhaupt unbedingt Krankengymnastik gebraucht hätte. Damit wird in die ärztliche Entscheidungsfreiheit massiv durch Einschüchterung eingegriffen und die Patientenversorgung verschlechtert. Dieses Drohinstrument, das drakonische Ausmaße annehmen kann, verhindert auch die Niederlassung von jungen Ärzten in den Praxen. Und bekanntermaßen gibt es ja auf dem Land- und bald auch in der Stadt, Ärztemangel. Rechnerisch sind die meisten Städte zwar noch nicht betroffen. Das liegt aber auch daran, dass die sogenannte Bedarfsplanung, wo wieviele Ärzte benötigt werden, von 1996 und damit hoffnungslos veraltet ist.

Dass es eine Steuerung der ärztlichen Verordnungen geben muss ist klar. Dass die Ärzte mit ihrem Privatvermögen haften müssen und um ihre Existenz fürchten müssen, ist aber in der Welt einmalig. Es gibt viele Lösungsansätze es besser zu machen. Bei den Arzneimittelverordnungen ist es zum Beispiel die Positivliste. Es gibt Medikamente, die der Arzt verschreiben kann und welche, die der Arzt nicht verschreiben kann. Auch bei Heilmittel gibt es international oft klare Regeln ohne Ärztehaftung, die gut funktionieren. Auch dürfen Physiotherapeuten vielerorts nach Regeln auch selbst Physiotherapie verschreiben, wie zum Beispiel in der Niederlanden.

Für das Wohl müssen Ärzteregresse abgeschafft und durch andere, international bewährte und transparente Steuerungsinstrumente ersetzt werden. Damit könnte sowohl der Ärztemangel auf dem Land behoben und in der Stadt verhindert  als auch die Patientenversorgung auf hohem Niveau gesichert werden.

Wir rufen alle Ärzte auf, uns ihre Erfahrung mit Regressen mitzuteilen und dieses Thema zu diskutieren.  Gerne hier über die Kommentarfunktion oder per Mail an querdenker4u@gmx.de.

 

 

Kriminalisierung der Ärzteschaft: Ärzteregresse verschlechtern die Versorgung der Patienten und verhindern Nachwuchs

Gestern hat ein Hausarzt im E-Mail-Disskussionsforum Listserver-Allgemeinmedizin berichtet, dass er im Rahmen einer Zufallsprüfung, der 2% der Ärzte pro Jahr unterzogen werden, 5500 Euro wegen angeblich nicht indizierter Heilmittelverordnungen, wozu auch Krankengymnastik gehört, für das Jahr 2014 zurückzahlen muss. Dabei handele es sich ausschließlich um schwerkranke Patienten. Es wurde von den Prüfern behauptet, die Krankengymnastik sei nicht notwendig gewesen oder nicht im verordneten Maße. Darunter waren aus ärztlicher Sicht klassische Indikationen wie Parkinson, Patienten mit Bandscheibenvorfällen oder einem sogenannte Impingementsyndrom, einer Einklemmung im Schultergelenk. Hier würde jeder Arzt bei Patienten mit entsprechender Symptomatik Krankengymnastik aufschreiben. Ja, der Arzt ist sogar unter Umständen gar nicht berechtigt, den Patienten diese Heilbehandlung vorzuenthalten. Regresse verschlechtern damit durch Einschüchterung der Ärzte die Patientenversorgung.

In diesem Fall geht es um Hessen. Die Prüfstelle, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und den Krankenkassen gebildet wird, hat den Regress der Krankenkassen durchgewunken. Es ist nicht verständlich, wie der ärztliche Gutachter dem zustimmen konnte.

Der eigentliche Skandal ist allerdings, dass  es ein Bundesgesetz gibt, den Paragraf 106 im Sozialgesetzbuch V (SGB V), der diese Art von Wirtschaftlichkeitsprüfungen überhaupt vorschreibt. Offensichtlich will kein Bundesgesundheitsminister dieses Machtinstrument aus den Händen geben und andere, ebenso wirksame, Kontrollmechanismen einführen, die die Ärzte aber nicht in ihrer Existenz bedrohen, wie Regresse es tun.  Mit der Abschaffung von Regressen könnte die  Niederlassung für  Ärzte wieder attraktiv gemacht werden. Regresse sind ein Hauptgrund, weshalb sich junge Ärzte nicht in Praxen niederlassen. Letztlich leiden damit die Patienten unter einer unzureichenden, mutlosen Politik. Und  gerade auf dem Land gibt es bekannterweise großen Ärztemangel. Aber auch in der Stadt wird es früher oder später zu wenig Ärzte geben.  Die sogenannte Bedarfsplanung, d.h. wie viele Ärzte wo nötig sind, ist von 1996 und damit hoffnungslos veraltet.  In Frankfurt am Main wird zum Beispiel der neue Stadtteil Europaviertel ebenso wenig in die Rechnung mit einbezogen, wie das Gesamtwachstum der Stadt. Viele Pendler haben ihren Arzt in Frankfurt, werden aber nicht mitgezählt. Der sogenannte Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung, d.h., dass überall in Deutschland genügend Ärzte zur Versorgung der Bevölkerung vorhanden sind, basiert damit auf falschen und veralteten Zahlen.

Ein kompetenter ärztlicher Kollege hat sich zu Regressen geäußert. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich seine Mail hier als seine Meinung und Anstoß zur Diskussion anonymisiert. Gerade jetzt kurz vor der Regierungsbildung auf Bundesebene mit vermutlich einer Neuauflage der Großen Koalition müssen Lösungen geschaffen werden, das Land voranzubringen und damit auch die ärztliche Versorgung in Land und Stadt zu verbessern. Drakonische und drangsalierende Instrumente, wie Regresse, gehören zu veralteten Methoden, die durch moderne Kontrollmechanismen ersetzt werden müssen.

Hier die Meinung des Ärzte-Kollegen C.S. zum Thema Ärzteregresse:

„Regresse sind kein Instrument der Kontrolle und Steuerung (, was ja akzeptabel wäre), sondern ein Instrument der Einschüchterung und Macht (, was nicht akzeptabel sein kann und darf). Aktuell sind die Regress im Sozialgesetzbuch V (SGB V) vorgegeben und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die Krankenkasse MÜSSEN diese durchführen lassen; nämlich von der Prüfstelle. Diese wird zwar von der KV und der Kasse zusammen eingerichtet und die Prüfstelle bekommt von der KV und der Kasse die Regressdaten, aber danach ist die Prüfstelle nicht mehr kontrollierbar UND, sie legt auch nicht vor der Vertreterversammlung der KV Rechenschaft ab. Letzteres ist aktuell mein Bestreben. Ich habe schon ein paar Fachärzte für diese Idee gewonnen, dazu brache ich aber noch ein bisschen Zeit.

Es gibt nämlich noch ein anderes Problem. Immer wieder kommt es auch zu richtigen Falschabrechnungen, bei denen die Kollegen die KV und damit auch dich und mich (in Folge) betrügen. Da gibt es wirklich dramatische Fälle, bei denen man sich auch nichts mehr schönreden kann. Interessant ist aber, dass eben diese Kollegen sich dann in der Öffentlichkeit als Opfer aufspielen.

Die Regresse teilen sich dabei in den Regress bei Überschreitung der Budgets, Zufallsregresse und Sonstige Schäden (, meist Verstöße gegen die Arzneimittelrichtlinien oder den Sprechstundenbedarf). Die Regresse bei Überschreitung der Budgets gibt es nicht mehr, bzw. nur noch ein paar Altfälle. Für diese Regresse galt „Beratung vor Regress“ in der Übergangsphase. Das Thema ist rum. (Anmerkung der Red.: Es gibt weiterhin statistische Wirtschaftlichkeitsprüfungen, in Hessen aktuell Durchschnittsprüfungen. Wer 45% mehr verordnet als die Kollegen im Durchschnitt, erhält einen Regress. Das Problem: Den Durchschnitt kenn niemand vorher, wenn er verordnet. Daher ist dieses System maximal intransparent. Hier gilt allerdings weiter: Beratung vor Regress).

Interessanter sind die beiden anderen Regressformen. Da den Kassen das Einschüchterungsinstrument Überschreitung der Budgets genommen wurde, konzentrieren sie sich nun auf die beiden anderen: Zufälligkeitsprüfung und Sonstige Schäden.

Zufälligkeitsprüfung: Hier werden zu einem vorher definierten Thema (z.B. 2016 die Protononpumpeninhibitoren (PPIs), – wie Pantoprazol –  nach Zufall 2% der hessischen Vertragsärzte geprüft. Die Themen werden so ausgesucht, dass auch Ärzte im Netz hängen bleiben. Der PPI-Regress war vor allem deswegen so interessant, da nur ein Teil der Indikationen geprüft wurde, so dass auch Kollegen Arbeit hatten, die alles richtig gemacht hatten. Diese Regresse können nicht ausgeweitet werden, da nur 2% der hessischen Vertragsärzte geprüft werden können.

Sonstige Schäden: Hier wird es interessant, weil diese Regresse extrem ausgeweitet wurden. Nachdem alle Daten und Rezepte digitalisiert wurden (die Papierrezepte werden digital wieder eingelesen). Damit müssen die Krankenkassen also nur noch nach Verstößen suchen und da das Regelwerk, wann wir was wie verschreiben dürfen, jede Menge Unsicherheiten enthält, macht praktisch jeder irgendwas falsch. Die Kollegen der KV, die in der Prüfstelle sitzen, versuchen hier ihr bestes, doch die Kassen drängen immer mehr darauf jeden kleinen Verstoß zu ahnden.

Meiner Meinung  nach ist das System so komplex und es bleibt uns so wenig Zeit diese zu kontrollieren, dass man durchaus von einem System der Kriminalisierung der Vertragsärzte reden kann. Wir haben ja nicht nur die Arzneimittelrichtlinien und weitere Verschreibungseinschränkungen zu beachten, sondern auch die Krankenhauseinweisungsrichtlinie (die jederzeit geprüft werden kann), usw usf.

In Zukunft werden wir am Fachgruppendurchschnitt geprüft, dies wird besonderes interessant, weil wir ja noch gar nicht wissen, was da auf uns zum kommt. Es könnte so bleiben wie jetzt, aber es wäre auch denkbar, dass es zu einer  extreme Ausweitung der Regresse kommt.

Das Thema wurde bereits schon von vielen sachlichen, kritisch, emotional, manipulativ oder sonst wie bearbeitet. Es ist nie was passiert. Eine Änderung des SGB V wurde von politischer Seite, egal welche KV oder Arzt oder welche Interessengemeinschaft auf die Barrikaden ging, nur kosmetisch geändert. Es wurden immer nur kleine Details geändert, das Machtinstrument wird aber von Politik und Kassen viel zu sehr geschätzt. Durch die Digitalisierung  wird alles nur noch schlimmer.

Ich versuche die Regresse zu veröffentlichen, um mal das Gesicht ungeschminkt zu zeigen (, das wurde bislang noch nicht probiert). Doch und da wird es interessant. Ich rede mit Ärzten aus ganz Hessen über Regresse. Bisher war niemand bereit, mir seine Daten zur Verfügung zu stellen. Alle regen sich auf, alle finden es gut, dass ich mich damit beschäftige UND KEINER schickt mir seine Unterlagen … Interessant oder?“

Soweit die Mail des ärztlichen Kollegen.

Hier mein Aufruf an alle Ärzte und Patienten: Schicken Sie uns Ihre Meinung! Schicken Sie uns Ihre Fälle. Wenn Sie als Ärzte bereits einen Regress hatten, können wir Ihnen den Kontakt zu dem Kollegen herstellen, der diese Mail oben geschrieben hat und die Daten anonymisiert darstellen möchte, um die Ungerechtigkeit und teilweise Willkürlichkeit des Systems darzustellen.

Dass es Kontrollen der ärztlichen Verordnungen geben muss, ist unbestritten. Daher müssen  neue Systeme vorgeschlagen werden oder international bereits bewährte Methoden angewendet werden.  Bei Arzneimittel gibt es in vielen Staaten Positivlisten, was verschrieben werden darf und was nicht. Das schafft für die Ärzte Rechtssicherheit, nimmt aber dem Staat und den Krankenkassen ihre Einschüchterungsmöglichkeit. Bisher wehrt sich auch die Pharmaindustrie massiv gegen dieses Vorhaben und hat in der Vergangenheit jeden Versuch, eine Positivliste einzuführen, verhindert. Daran ändert auch das Antikorruptionsgesetz vom aktuellen, geschäftsführenden Gesundheitsminister Gröhe zum 1.7.2017 eingeführt, nichts. Uns Ärzten, und damit den Patienten, schadet dieses Gesetz, da sinnvolle Kooperationen kriminalisiert werden, aber die Lobbyisten dürfen weiterhin in den Bundestag ein- und ausgehen und Gesetzesvorlagen vorschreiben. Hier muss zum Wohle aller gehandelt werden.