querdenker4u

Mit Querdenken die Welt verändern

Schlechtere Versorgung durch Ärzteregresse

Das Sozialgesetzbuch V schreibt die sogenannten Wirtschaftlichkeitsprüfungen von Ärzten vor. Dabei werden eine Vielzahl an Vorschriften  geprüft, meist erst mehrere Jahre später. Es  werden zum Beispiel 2% der Ärzte zufällig ausgesucht und ihre Verordnungen in einem bestimmten Bereich kontrolliert. Dies ist jetzt einem hessischen Kollegen so gegangen, dem seine Krankengymnastikverordnungen von 2014 um die Ohren gehauen wurden. Zu Unrecht, wie er findet und das auch begründen kann. Die Prüfer hätten Krankengymnastikrezepte moniert, die er bei klassischen Erkrankungen wie Parkinson oder Bandscheibenvorfällen oder anderen schwerkranken Patienten verschrieben habe. Nun soll er 5500 Euro zurückzahlen.

Dies ist nur ein Fall von vielen. Die Krankenkassen suchen in den Verordnungen der Ärzte mit ihren Juristen nach Möglichkeiten, Geld von den Ärzten zurückzufordern und damit zu Lasten von Ärzten und Patienten Gewinn zu machen. „Es gibt noch ein enormes Einsparpotential“, sagte neulich erst ein Entscheidungsträger der gesetzlichen Krankenkassen. Dabei haben die Krankenkassen gerade einen Überschuss von 2,5 Milliarden erwirtschaftet. Sie wollen aber noch mehr.  Dabei wird auch infrage gestellt, ob der Patient überhaupt unbedingt Krankengymnastik gebraucht hätte. Damit wird in die ärztliche Entscheidungsfreiheit massiv durch Einschüchterung eingegriffen und die Patientenversorgung verschlechtert. Dieses Drohinstrument, das drakonische Ausmaße annehmen kann, verhindert auch die Niederlassung von jungen Ärzten in den Praxen. Und bekanntermaßen gibt es ja auf dem Land- und bald auch in der Stadt, Ärztemangel. Rechnerisch sind die meisten Städte zwar noch nicht betroffen. Das liegt aber auch daran, dass die sogenannte Bedarfsplanung, wo wieviele Ärzte benötigt werden, von 1996 und damit hoffnungslos veraltet ist.

Dass es eine Steuerung der ärztlichen Verordnungen geben muss ist klar. Dass die Ärzte mit ihrem Privatvermögen haften müssen und um ihre Existenz fürchten müssen, ist aber in der Welt einmalig. Es gibt viele Lösungsansätze es besser zu machen. Bei den Arzneimittelverordnungen ist es zum Beispiel die Positivliste. Es gibt Medikamente, die der Arzt verschreiben kann und welche, die der Arzt nicht verschreiben kann. Auch bei Heilmittel gibt es international oft klare Regeln ohne Ärztehaftung, die gut funktionieren. Auch dürfen Physiotherapeuten vielerorts nach Regeln auch selbst Physiotherapie verschreiben, wie zum Beispiel in der Niederlanden.

Für das Wohl müssen Ärzteregresse abgeschafft und durch andere, international bewährte und transparente Steuerungsinstrumente ersetzt werden. Damit könnte sowohl der Ärztemangel auf dem Land behoben und in der Stadt verhindert  als auch die Patientenversorgung auf hohem Niveau gesichert werden.

Wir rufen alle Ärzte auf, uns ihre Erfahrung mit Regressen mitzuteilen und dieses Thema zu diskutieren.  Gerne hier über die Kommentarfunktion oder per Mail an querdenker4u@gmx.de.

 

 

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Kriminalisierung der Ärzteschaft: Ärzteregresse verschlechtern die Versorgung der Patienten und verhindern Nachwuchs

Gestern hat ein Hausarzt im E-Mail-Disskussionsforum Listserver-Allgemeinmedizin berichtet, dass er im Rahmen einer Zufallsprüfung, der 2% der Ärzte pro Jahr unterzogen werden, 5500 Euro wegen angeblich nicht indizierter Heilmittelverordnungen, wozu auch Krankengymnastik gehört, für das Jahr 2014 zurückzahlen muss. Dabei handele es sich ausschließlich um schwerkranke Patienten. Es wurde von den Prüfern behauptet, die Krankengymnastik sei nicht notwendig gewesen oder nicht im verordneten Maße. Darunter waren aus ärztlicher Sicht klassische Indikationen wie Parkinson, Patienten mit Bandscheibenvorfällen oder einem sogenannte Impingementsyndrom, einer Einklemmung im Schultergelenk. Hier würde jeder Arzt bei Patienten mit entsprechender Symptomatik Krankengymnastik aufschreiben. Ja, der Arzt ist sogar unter Umständen gar nicht berechtigt, den Patienten diese Heilbehandlung vorzuenthalten. Regresse verschlechtern damit durch Einschüchterung der Ärzte die Patientenversorgung.

In diesem Fall geht es um Hessen. Die Prüfstelle, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und den Krankenkassen gebildet wird, hat den Regress der Krankenkassen durchgewunken. Es ist nicht verständlich, wie der ärztliche Gutachter dem zustimmen konnte.

Der eigentliche Skandal ist allerdings, dass  es ein Bundesgesetz gibt, den Paragraf 106 im Sozialgesetzbuch V (SGB V), der diese Art von Wirtschaftlichkeitsprüfungen überhaupt vorschreibt. Offensichtlich will kein Bundesgesundheitsminister dieses Machtinstrument aus den Händen geben und andere, ebenso wirksame, Kontrollmechanismen einführen, die die Ärzte aber nicht in ihrer Existenz bedrohen, wie Regresse es tun.  Mit der Abschaffung von Regressen könnte die  Niederlassung für  Ärzte wieder attraktiv gemacht werden. Regresse sind ein Hauptgrund, weshalb sich junge Ärzte nicht in Praxen niederlassen. Letztlich leiden damit die Patienten unter einer unzureichenden, mutlosen Politik. Und  gerade auf dem Land gibt es bekannterweise großen Ärztemangel. Aber auch in der Stadt wird es früher oder später zu wenig Ärzte geben.  Die sogenannte Bedarfsplanung, d.h. wie viele Ärzte wo nötig sind, ist von 1996 und damit hoffnungslos veraltet.  In Frankfurt am Main wird zum Beispiel der neue Stadtteil Europaviertel ebenso wenig in die Rechnung mit einbezogen, wie das Gesamtwachstum der Stadt. Viele Pendler haben ihren Arzt in Frankfurt, werden aber nicht mitgezählt. Der sogenannte Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung, d.h., dass überall in Deutschland genügend Ärzte zur Versorgung der Bevölkerung vorhanden sind, basiert damit auf falschen und veralteten Zahlen.

Ein kompetenter ärztlicher Kollege hat sich zu Regressen geäußert. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich seine Mail hier als seine Meinung und Anstoß zur Diskussion anonymisiert. Gerade jetzt kurz vor der Regierungsbildung auf Bundesebene mit vermutlich einer Neuauflage der Großen Koalition müssen Lösungen geschaffen werden, das Land voranzubringen und damit auch die ärztliche Versorgung in Land und Stadt zu verbessern. Drakonische und drangsalierende Instrumente, wie Regresse, gehören zu veralteten Methoden, die durch moderne Kontrollmechanismen ersetzt werden müssen.

Hier die Meinung des Ärzte-Kollegen C.S. zum Thema Ärzteregresse:

„Regresse sind kein Instrument der Kontrolle und Steuerung (, was ja akzeptabel wäre), sondern ein Instrument der Einschüchterung und Macht (, was nicht akzeptabel sein kann und darf). Aktuell sind die Regress im Sozialgesetzbuch V (SGB V) vorgegeben und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die Krankenkasse MÜSSEN diese durchführen lassen; nämlich von der Prüfstelle. Diese wird zwar von der KV und der Kasse zusammen eingerichtet und die Prüfstelle bekommt von der KV und der Kasse die Regressdaten, aber danach ist die Prüfstelle nicht mehr kontrollierbar UND, sie legt auch nicht vor der Vertreterversammlung der KV Rechenschaft ab. Letzteres ist aktuell mein Bestreben. Ich habe schon ein paar Fachärzte für diese Idee gewonnen, dazu brache ich aber noch ein bisschen Zeit.

Es gibt nämlich noch ein anderes Problem. Immer wieder kommt es auch zu richtigen Falschabrechnungen, bei denen die Kollegen die KV und damit auch dich und mich (in Folge) betrügen. Da gibt es wirklich dramatische Fälle, bei denen man sich auch nichts mehr schönreden kann. Interessant ist aber, dass eben diese Kollegen sich dann in der Öffentlichkeit als Opfer aufspielen.

Die Regresse teilen sich dabei in den Regress bei Überschreitung der Budgets, Zufallsregresse und Sonstige Schäden (, meist Verstöße gegen die Arzneimittelrichtlinien oder den Sprechstundenbedarf). Die Regresse bei Überschreitung der Budgets gibt es nicht mehr, bzw. nur noch ein paar Altfälle. Für diese Regresse galt „Beratung vor Regress“ in der Übergangsphase. Das Thema ist rum. (Anmerkung der Red.: Es gibt weiterhin statistische Wirtschaftlichkeitsprüfungen, in Hessen aktuell Durchschnittsprüfungen. Wer 45% mehr verordnet als die Kollegen im Durchschnitt, erhält einen Regress. Das Problem: Den Durchschnitt kenn niemand vorher, wenn er verordnet. Daher ist dieses System maximal intransparent. Hier gilt allerdings weiter: Beratung vor Regress).

Interessanter sind die beiden anderen Regressformen. Da den Kassen das Einschüchterungsinstrument Überschreitung der Budgets genommen wurde, konzentrieren sie sich nun auf die beiden anderen: Zufälligkeitsprüfung und Sonstige Schäden.

Zufälligkeitsprüfung: Hier werden zu einem vorher definierten Thema (z.B. 2016 die Protononpumpeninhibitoren (PPIs), – wie Pantoprazol –  nach Zufall 2% der hessischen Vertragsärzte geprüft. Die Themen werden so ausgesucht, dass auch Ärzte im Netz hängen bleiben. Der PPI-Regress war vor allem deswegen so interessant, da nur ein Teil der Indikationen geprüft wurde, so dass auch Kollegen Arbeit hatten, die alles richtig gemacht hatten. Diese Regresse können nicht ausgeweitet werden, da nur 2% der hessischen Vertragsärzte geprüft werden können.

Sonstige Schäden: Hier wird es interessant, weil diese Regresse extrem ausgeweitet wurden. Nachdem alle Daten und Rezepte digitalisiert wurden (die Papierrezepte werden digital wieder eingelesen). Damit müssen die Krankenkassen also nur noch nach Verstößen suchen und da das Regelwerk, wann wir was wie verschreiben dürfen, jede Menge Unsicherheiten enthält, macht praktisch jeder irgendwas falsch. Die Kollegen der KV, die in der Prüfstelle sitzen, versuchen hier ihr bestes, doch die Kassen drängen immer mehr darauf jeden kleinen Verstoß zu ahnden.

Meiner Meinung  nach ist das System so komplex und es bleibt uns so wenig Zeit diese zu kontrollieren, dass man durchaus von einem System der Kriminalisierung der Vertragsärzte reden kann. Wir haben ja nicht nur die Arzneimittelrichtlinien und weitere Verschreibungseinschränkungen zu beachten, sondern auch die Krankenhauseinweisungsrichtlinie (die jederzeit geprüft werden kann), usw usf.

In Zukunft werden wir am Fachgruppendurchschnitt geprüft, dies wird besonderes interessant, weil wir ja noch gar nicht wissen, was da auf uns zum kommt. Es könnte so bleiben wie jetzt, aber es wäre auch denkbar, dass es zu einer  extreme Ausweitung der Regresse kommt.

Das Thema wurde bereits schon von vielen sachlichen, kritisch, emotional, manipulativ oder sonst wie bearbeitet. Es ist nie was passiert. Eine Änderung des SGB V wurde von politischer Seite, egal welche KV oder Arzt oder welche Interessengemeinschaft auf die Barrikaden ging, nur kosmetisch geändert. Es wurden immer nur kleine Details geändert, das Machtinstrument wird aber von Politik und Kassen viel zu sehr geschätzt. Durch die Digitalisierung  wird alles nur noch schlimmer.

Ich versuche die Regresse zu veröffentlichen, um mal das Gesicht ungeschminkt zu zeigen (, das wurde bislang noch nicht probiert). Doch und da wird es interessant. Ich rede mit Ärzten aus ganz Hessen über Regresse. Bisher war niemand bereit, mir seine Daten zur Verfügung zu stellen. Alle regen sich auf, alle finden es gut, dass ich mich damit beschäftige UND KEINER schickt mir seine Unterlagen … Interessant oder?“

Soweit die Mail des ärztlichen Kollegen.

Hier mein Aufruf an alle Ärzte und Patienten: Schicken Sie uns Ihre Meinung! Schicken Sie uns Ihre Fälle. Wenn Sie als Ärzte bereits einen Regress hatten, können wir Ihnen den Kontakt zu dem Kollegen herstellen, der diese Mail oben geschrieben hat und die Daten anonymisiert darstellen möchte, um die Ungerechtigkeit und teilweise Willkürlichkeit des Systems darzustellen.

Dass es Kontrollen der ärztlichen Verordnungen geben muss, ist unbestritten. Daher müssen  neue Systeme vorgeschlagen werden oder international bereits bewährte Methoden angewendet werden.  Bei Arzneimittel gibt es in vielen Staaten Positivlisten, was verschrieben werden darf und was nicht. Das schafft für die Ärzte Rechtssicherheit, nimmt aber dem Staat und den Krankenkassen ihre Einschüchterungsmöglichkeit. Bisher wehrt sich auch die Pharmaindustrie massiv gegen dieses Vorhaben und hat in der Vergangenheit jeden Versuch, eine Positivliste einzuführen, verhindert. Daran ändert auch das Antikorruptionsgesetz vom aktuellen, geschäftsführenden Gesundheitsminister Gröhe zum 1.7.2017 eingeführt, nichts. Uns Ärzten, und damit den Patienten, schadet dieses Gesetz, da sinnvolle Kooperationen kriminalisiert werden, aber die Lobbyisten dürfen weiterhin in den Bundestag ein- und ausgehen und Gesetzesvorlagen vorschreiben. Hier muss zum Wohle aller gehandelt werden.

 

 

 

mal wieder Ärger mit der Deutschen Bahn

Die Frau und die zwei Kinder wollen für einige Tage nach Hamburg zu Opa und Oma fahren. Alles ist gut organisiert, drei Plätze im Kinderabteil sind gebucht. Abfahrt ist mit dem ICE 722 um 8 Uh 58 in Frankfurt am Main. Mit Sack und Pack fahre ich die drei zum Frankfurter Hauptbahnhof, wo wir mit drei Taschen, einem Rucksack und einen Kinderwagen fröhlich zum Bahnsteig 8 losziehen.

Doch bereits auf dem Weg dorthin fällt auf der Abfahrtstafel auf: „Zug nach Hamburg Altona ICE 722 entfällt“ und untendrunter: „Ersatzzug IC“. Na immerhin, denken wir und fragen einen Bahnmitarbeiter, was wir am besten tun. “ In der Mitte des Bahnsteigs, dort wo die Treppen runterführen, dort gibt es Bahnmitarbeiter, die Sie am besten fragen.“ Das taten wir und sprachen jemanden, der Zigarette rauchend dort stand, an. „Wagen 9? Dann sind sie genau hier richtig“, sagte er, nachdem wir unser Anliegen vorgetragen hatten. „Aber der Zug nach Hamburg ist doch heute ein Ersatzzug“, hakte ich nach. „Ach so, nach Hamburg. Na, dann ist das natürlich alles anders. Dann sind Ihre Reservierungen alle verfallen. Gehen Sie am besten weiter zum Ende des Zugs, dort gibt es einen Fahrradwagen, dort bekommen Sie Platz, denn der gesamte Zug ist reserviert.“ Wieso reserviert, wenn das ein Ersatzzug ist, wollte ich noch wissen. Ach ja, doch überhaupt nicht reserviert. Egal, wir sollten zum Fahrradwagen.

Als der Zug, verspätet, endlich eintrifft wenden wir uns sofort an eine Zugbegleiterin, ob sie uns helfen könne, einen Platz zu finden, denn von außen ist bereits sichtbar, dass der Zug sehr voll ist. Für drei Personen, eine Erwachsene, einen Sechsjähriger und ein 17-Monate altes Mädchen. „Gehen Sie rein und schauen Sie mal, da wird es schon noch Platz geben“, sagte die Mitarbeiterin und verschwindet zum Rauchen. Drinnen ist kein Platz, um überhaupt mit dem Kinderwagen durchzukommen, geschweige denn drei Plätze zusammen für meine Familie. Also wieder raus und die Mitarbeiterin wieder gefragt. Sie steht ein Stück entfernt in der Raucherzone mit zwei weiteren, ebenfalls rauchenden Bahnservicemitarbeitern. Wir sollen an den Anfang des Wagens gehen, dort gebe es ein Fahrradabteil und auch Mitarbeiter, die weiterhelfen. Wir eilten also von einem Ende des Zuges zum nächsten.

Dort angekommen fragten wir die Zugbegleiterin. „Gehen Sie rein, nein, links ist alles voll, schauen Sie mal selbst.“ Auch rechts ist kein Durchkommen mit dem Kinderwagen. Koffer verstellen den Gang. Sitzplätze nicht in Sicht. Wir bitten die Bahnmitarbeiterin nochmal zu helfen. Da seien doch noch Plätze, „gehen Sie erst einmal rein, wir fahren gleich los.“ Ob es auch drei zusammenhängende Plätze für sie und unsere beiden Kinder gebe, will meine Frau wissen. „Nein, das natürlich nicht! Das können wir nicht bieten!“. Also steigen wir sauer über die ausbleibende Hilfe wieder aus, fahren nach Hause und meine Frau und unsere beiden Kinder fahren mit dem Auto nach Hamburg. Das Rückticket war für in 3 Tagen ebenfalls gebucht und kann jetzt natürlich nicht genutzt werden, da das Auto dabei ist. Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn.

Kindertagesstätten – unausgereifte Konzepte

Nun ist es soweit. Die Kleine geht mit 18 Monaten in die Kindertagesstätte an unserem neuen Wohnort im westlichen Teil von Deutschland. Meine Frau beginnt zu arbeiten, was finanziell notwendig ist und was sie auch gerne tut. 25 Stunden die Woche. Wir haben Glück und haben nach nur 5 Monaten einen Platz in einer KITA bekommen, was vielen Kindern trotz des neuen Gesetzes ab dem 1.8.2013 verwehrt bleibt und sie den Klageweg gehen müssen. Doch schon bald erfahren wir, dass die KITA mal eben Anfang Januar für 14 Tage schließt, wegen „Putzwochen“. Auch weitere einzelne Schließtage werden bereits angekündigt. Das wird so beiläufig und selbstverständlich mitgeteilt, als lebten wir immer noch in der Zeit, in der die Frau nicht arbeitet und zu 100 Prozent Hausfrau ist. Diese Zeiten sind glückerlicherweise vorbei. Die Lösung? Ja, sollen die Eltern doch Urlaub nehmen. Das ist einmal ungerecht, die Eltern zu Urlaub zu zwingen und zweitens auch oft gar nicht möglich. So bei uns nicht. Und der Große ist mit 6 Jahren jetzt in die Schule gekommen, weshalb wir uns mit unserem Urlaub auch nach den Schulferien richtigen müssen, die nicht immer parallel zu den Schließtagen liegen.

Im Osten von Deutschland ist die Handhabung hier komplett anders, trotz der selben Gesetzgebung auf Bundesebene. Wie kann das sein? Kann nicht, sagt der Anwalt, den wir gefragt haben. Daher appelliere ich an die Kindertagesstätten und die Stadtverwaltungen, hier aktiv zu werden und eine Kinderbetreuung anzubieten, die es beiden Eltern erlaubt durchgehend berufstätig zu sein. Sonst könnte es zu Sammelklagen kommen, die ein moralisch selbstverständliches Recht dann endlich durchsetzen. Und hierbei geht es jetzt noch nicht einmal um die Betreuungsqualität, die ja auch sehr wichtig ist.

Der Anwalt sagte dazu folgendes:

Für Kinder von 1 bis zu 3 Jahren besteht ab 01.108.2013 ein Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte. Die ergibt
sich aus § 24 SGB VIII:

„(2) 1 Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. 2Absatz 1 Satz 3 gilt entsprechend.“

Zur Ausstattung der betreffenden Einrichtungen bestimmt § 22 Abs. 1 SGB
VIII:
„(1) 1 Tageseinrichtungen sind Einrichtungen, in denen sich Kinder für einen Teil des Tages oder ganztägig aufhalten und in Gruppen gefördert werden. 2Kindertagespflege wird von einer geeigneten Tagespflegeperson in ihrem Haushalt oder im Haushalt des Personensorgeberechtigten geleistet. 3Das Nähere über die Abgrenzung von Tageseinrichtungen und Kindertagespflege regelt das Landesrecht. 4Es kann auch regeln, dass Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen geleistet wird.“

Das Bundesrecht schreibt also nicht vor, dass eine Kindertagesstätte ganztägig geöffnet sein muss. Dies wird z.T. durch landesrechtliche Bestimmungen gegegelt. Aufgrund der Zielrichtung der Regelung, die
Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbstätigkeit zu erhöhen, ist aber nach herrschender Meinung von einer Mindestbetreuungszeit von täglich 6 Stunden auszugehen Dagegen ist dem Gesetz meines Erachtens zu entnehmen, dass eine den gestzlichen Anforderungen genügende Kindertagesstätte nicht regelmäßig tageweise oder gar über mehrere Tage hinweg geschlossen sein darf, ohne dass zugleich ein Ersatzplatzangeboten wird. Eine Einrichtung, die nicht ständig geöffnet und daher mit den am Arbeitsmarkt verfügbaren Arbeitsstellen nicht kompatibel ist, kann daher m. E. nicht als bedarfsgercht im Sinne des Gesetzes angesehen werden.

Was die zumutbare Entfernung zum Wohnort betrifft, gilt: Die Wohnortnähe ist ein allgemeines Prinzip der Jugendhilfe, so dass im Regelfall ein Anspruch auf einen Platz in der nächstgelegenen
Einrichtung besteht. Welche Entfernung im Einzelfall noch zumutbar ist, ist anhand der örtlichen Gegebenheiten zu entscheiden, so dass auch die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Betracht gezogen werden muss. Teilweise geht die Rechtsprechung davon aus, dass bereits ein kombinierter Fuß- und Busweg von 20 Minuten unzumutbar sei, teils wird
eine Unzumutbarkeit aber auch erst bei 30 Minuten bejaht. Der Bay VGH hält eine Entfernung von 7 km noch für zumutbar. Wünschenswert ist jedenfalls, dass die Tageseinrichtung zu Fuß erreichbar ist.

Psychiatrie-Psychoterror

Eine Kollegin schrieb mir neulich eine E-Mail über ihre Erfahrung in der Facharzt-Weiterbildung als junge Allgemeinmedizinerin in einer psychiatrischen Klinik, die mich sehr erschreckte:

„Ich bin in eine Klinik gekommen und lerne nichts. Ich könnte zwar eine Psychotherapieweiterbildung machen, aber das dann auch nebenbei ohne Arbeitsfreistellung. Ok die Weiterbildung wird gezahlt. Dann sitz ich seit vier Monaten auf der geschlossenen und merke, wie intrigant meine Oberärztin ist, und mein Kollege hat auch einen an der Waffel (, sorry aber wenn einer dauernd befürchtet überwacht zu werden, oder hinter jeder kleinsten Körperbewegung eine Intrige gegen sich sehe, frage ich mich, wer Patient und wer Arzt ist). Da war meine letzte Klinik in S. noch ein Paradies, um ehrlich zu sein!!!

Chipkartensysteme zur Arbeitszeiterfassung gibt es nicht, Überstunden müssen oberärztlich abgesegnet und angeordnet worden sein. Und wenn man zu lange bleibt, wird das negativ gesehen, aber auch wenn man pünktlich geht , so wie ich das mache. Den Dienstplan macht der Chef und genau so, dass die Leute, die sowieso krankheitsbedingt immer ausfallen, am Ende des Monats Dienst hätten. Also können die vom Anfang einspringen. Es wird erwartet, dass man sich mit Kollegen, die krank sind, nicht unterhält und diese schneidet (,was für mich mobbing ist, und ich mich frage, wie sie Leute dauerhaft binden wollen). Die Fluktuation war auch schon sehr, sehr stark dort. Der Chef macht einen vor versammelter Mannschaft zur Sau in der Morgenbesprechung, wenn man die Diagnose Münchhausensyndrom verwendet (, die gibt es laut ihm nicht). Die Oberärztin hat probiert, mir vor der Morgenbesprechung mehr oder weniger zu sagen, wie ich den Patienten vorzustellen habe und dabei einen kleinen Satz eingefügt, den der Chef gar nicht gerne hört.

Ach ja, Transfusionen darf man nicht anhängen, Kaliumchlorid-Infusionen sollten am Monitor laufen???? Ich frage mich, ob die Medizin studiert haben! Die sind so daneben! Du musst wegen jedem Scheiß den Internisten anrufen, denn wenn du eigenmächtig handelst, kriegst du einen auf den Deckel, weil der Chef ja alles besser weiß.

Mein Kollege hat nach einem Zeckenstich bei einer Pat eine Borrelioseserologie durchführen lassen, so einen Kack habe ich in meinem Leben noch nie gehört. Marcumareinstellungen sind ihnen zu kompliziert. Ich frag mich wo ich da bin???? Nur stupide Schreibarbeit.“

Wir verraten nicht, dass diese Klinik in Hessen ist. Und wir sagen auch nicht, dass Mitglieder der Jungen Hessischen Allgemeinmedizin e.V., www.hessische-allgemeinmedizin.de gezielte Informationen über die Arbeitbedingungen in den jeweiligen Kliniken und Praxen erhalten…

Hygiene in Restaurants

Vor einigen Tagen hat es mich selbst erwischt. Dabei schien Pizza tonno, eine Thunfischpizza, beim Italiener in der Frankfurter Innenstadt doch erst einmal unverdächtig zu sein. Doch schon nach wenigen Bissen fingen die Lippen an zu kribbeln, ich hatte das Gefühl, meine Mundschleimhäute würden anschwellen. Dann stieg eine Hitze in mir auf, mein Gesicht wurde rot, ich bekam einen Ausschlag, der mein Gegenüber sichtlich beeindruckte. Auch der halbe Liter Hefeweizen, den ich mir bestellte, um den plötzlich starken Durst zu stillen, besserte nichts. Zu Hause, als ich unter die Dusche ging, sah ich dann, dass sich die Röte auf die Brust und teilweise auch auf den Bauch ausgebreitet hatte. Dröhnende Kopfschmerzen wurden auf Paracetamol 1000mg nicht besser, wie sonst immer. Nachts übergab ich mich dann mehrfach heftigst, hatte Durchfälle, die von heftigen Krämpfen begleitet waren, schwitze. Erst nach 12 Stunden wurde es allmählich besser, um nach 24 Stunden abzuklingen.

Am nächsten Morgen rief ich den Freund und Kollegen an, der mit mir zusammen am Vorabend essen war und eine vegetarische Pizza bestellt hatte. Auch er berichtete über eine Gesichtsröte, Bauchschmerzen, Brennen in der Kehle. Auch bei ihm klang das nach etwa einem Tag ab.

Was war passiert? Ähnliche Geschichten lassen vermuten, dass das italienische Restaurant verdorbene Zutaten verwendet und versucht hat, das mit einer heftigen Dosis Geschmacksverstärker zu übertünchen. Denn wie der Wissenschaftsjournalist, Hans Ulrich Grimm, in einem seiner vielen Bücher, „die Suppe lügt“, schreibt, sind die Symptome einer Reaktion auf den Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat:

  • Flush = aufsteigende Hitze
  • Hinterkopfschmerzen
  • Brennen in der Kehle
  • Unstillbarer Durst
  • Abdominelle Krämpfe

Die Übelkeit und der Durchfall lassen auf eine bakterielle Besiedelung der Pizzas schließen. Thunfisch ist stark Histamin haltig, das Gemüse war vermutlich noch einigemaßen frisch. Daher habe ich stärker reagiert als mein Freund und Kollege.

Ähnliche Geschichten gibt es zu Hauf. Wenn der Koch zum Beispiel ein Eiterfurunkel hat, sich dort kratz und dann zu den Zutaten greift, gibt es ebenfalls eine Lebensmittelvergiftung mit Staphylokokken.

Hier muss die Gewerbeaufsicht dringend eingreifen und ihre Arbeit tun. Im Frankfurter Fall wird sie informiert werden. Zwei E-Mails an das Restaurant wurden nicht beantwortet. Ein schwaches Bild, wenn nicht mal die Bereitschaft zu einer minimalen Qualität gegeben ist. Hier muss die Bevölkerung amtlich geschützt werden.

Peter Hahne – Punk vs. Pater Teil 1

Investment Punk Gerald Hörhan und Pater Anselm Grün im Gespräch mit Peter Hahne

Empört Euch!

Dem Lied von Konstantin Wecker ist nichts mehr hinzuzufügen. Wir brauchen in unserem Land mehr Leute, die sich engagieren und über die Zustände empören:

Empfehlenswert hierzu ist auch die Lektüre von:

http://www.amazon.de/Empört-Euch-Stéphane-Hessel/dp/3550088833/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1341165886&sr=8-1

und von:

http://www.amazon.de/Engagiert-Euch-Gespräch-Gilles-Vanderpooten/dp/355008885X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1341165955&sr=1-1

Buchtipps für Querdenker!

Ein Kollege hat mir neulich ein Buch empfohlen, das wirklich etwas für Querdenker ist: Gerald Hörhan: „Investment punk – warum Ihr schuftet und wir reich werden.“ (http://www.amazon.de/Investment-Punk-Warum-schuftet-werden/dp/3548373844/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338804603&sr=8-1) Ihr, das ist der Mittelstand, also die meisten von uns. Gerade lese ich den zweiten Band: „Gegengift“, (http://www.amazon.de/Investment-Punk-Warum-schuftet-werden/dp/3548373844/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338804603&sr=8-1) das schon provokant mit dem Kapitel „Ihr seid Arschkriecher“ beginnt. Hörhan schreibt gegen die bequemen Anpasser, gegen die mit dem Angestelltengen, die eher lernen zu intregieren als zu investieren und stellt vor, was der Plan B sein könnte. Wirklich lesenswert! Und: Ich bekomme keine Prozente!

Studenten fordern Rückkauf des Uniklinikums Gießen/Marburg durch das Land

Die Studenten des Uniklinikums Marburg organisierten einen Flashmob und forderten, dass das Uniklinikum Gießen/Marburg vom Land Hessen zurückgekauft wird. Sie sind gegen eine Übernahme durch Helios. Helios gehört dem Pharmakonzern Fresenius. Die jüngste Idee von Fresenius ist es, eine Krankenkasse anzubieten, die nur für Krankenhäuser und Praxen des eigenen Konzern gelten. Das sind dann amerikanische Verhältnisse. Erst gestern habe ich mit einer Freundin in Marburg gesprochen, die mir von ihrer Schwiegertochter erzählte, wie diese in den USA bei einer Sepsis (Blutvergiftung) nur im nahegelegenen Krankenhaus behandelt wurde, weil sie eine große Summe Bargeld auf den Tisch gelegt hat. Die Klinik hatte mit ihrer Krankenversicherung keinen Vertrag. Solche Verhältnisse dürfen wir in Deutschland nicht zulassen.

Hier der Link zum Video der Studenten des Uniklinikums Marburg: http://www.op-marburg.de/Video-Foto/Videos?bcpid=26396131001&bclid=30643117001&bctid=1650844768001&refer=rightboxb